Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ Januar-Februar 2025
2. Sonntag nach Weihnachten
2. Woche im Jahreskreis
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch Jesus Sirach (Sir 24,1-4.12-16 (NV) [gr. 24,1-2.8-12])
Die Weisheit lobt sich selbst und findet in Gott ihren Ruhm; inmitten ihres Volkes verkündet sie ihre Herrlichkeit. In der Versammlung des Höchsten öffnet sie ihren Mund und verkündet vor seinen Scharen ihre Herrlichkeit; inmitten ihres Volkes wird sie erhöht, in der heiligen Versammlung wird sie bewundert, in der Menge der Auserwählten findet sie ihr Lob und unter den Gesegneten wird sie gepriesen, während sie sagt: «Da gab mir der Schöpfer des Alls einen Befehl, der mich erschaffen hat, ließ mich mein Zelt aufschlagen und sagte zu mir: “Schlag dein Zelt in Jakob auf und nimm Israel als Erbe in Besitz, senke deine Wurzeln unter meine Auserwählten.” Vor den Weltzeiten, von Anfang an, hat er mich erschaffen, und für alle Ewigkeit werde ich nicht vergehen. Im heiligen Zelt habe ich vor ihm meinen Dienst verrichtet und mich so in Zion niedergelassen. In der Stadt, die er liebt, hat er mich wohnen lassen, und in Jerusalem ist meine Macht. Ich schlug Wurzeln inmitten eines ruhmreichen Volkes, im Erbteil des Herrn liegt mein Erbe, in der Versammlung der Heiligen nahm ich Wohnung». – Wort des Herrn.
Kommentar zur ersten Lesung
Die erste Lesung stellt uns die Weisheit als Person vor, die sich in der Gegenwart Gottes selbst lobt und anerkennt, dass sie inmitten des Volkes bewundert wird: «In der Menge der Auserwählten findet sie ihr Lob und unter den Gesegneten wird sie gepriesen». Dann kommt der Augenblick, in dem der Schöpfer zu ihr sagt: «Schlag dein Zelt in Jakob auf und nimm Israel als Erbe in Besitz … so habe ich mich in Zion niedergelassen». Die hier beschriebene Weisheit ist Jesus selbst, das Wort des Lebens und der Wahrheit. Er ist die Weisheit, über die sich die Gläubigen freuen; er ist die Weisheit, die ihr Zelt inmitten der Menschen aufgeschlagen hat, auch wenn diese ihn später nicht erkannt haben. Auf dieses Wort lässt uns der Antwortpsalm so antworten: «Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt». Das ist die Größe des Christentums! Nicht wir müssen Gott suchen oder zu ihm gehen, denn Gott ist bereits in unsere Mitte gekommen und hat sein Zelt in unserem Leben aufgeschlagen: Merkt ihr es denn nicht?, würde der Prophet Jesaja sagen.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser (Eph 1,3-6.15-18)
Gepriesen sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus. Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel. Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Erschaffung der Welt, damit wir heilig und untadelig leben vor ihm in Liebe. Er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt, seine Söhne und Töchter zu werden durch Jesus Christus und nach seinem gnädigen Willen zu ihm zu gelangen, zum Lob seiner herrlichen Gnade. Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn. Darum höre auch ich nicht auf, für euch zu danken, wenn ich in meinen Gebeten an euch denke. Denn ich habe von eurem Glauben an den Herrn Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen gehört. Der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn immer tiefer erkennt. Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt. – Wort des Herrn.
Kommentar zur zweiten Lesung
Der Text ist in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil stimmt Paulus, der so glücklich ist, dass ihm fast der Atem wegbleibt, Gott, dem Vater, ein Lobeshymnus auf Jesus Christus, seinen Sohn, an, der in unsere Mitte gekommen ist. Segen über Segen. Im zweiten Teil umfasst das Lob Gottes hingegen die Brüder und Schwestern im Glauben, die seine Erfahrung teilen. Für sie alle betet Paulus und bittet Gott darum, dass jeder in der Erkenntnis und Erfahrung Jesu wachsen möge, denn je besser wir ihn kennen, desto mehr werden wir verstehen, wozu er uns berufen hat: zum Himmel! Und um dies zu ermöglichen, ist er selbst wie wir geworden, damit wir wie er werden: Heilige unter den Heiligen. Diese Worte zeigen, wie sehr Gott uns allen vertraut und wie wenig er bereut, dass er uns nach seinem Bild erschaffen hat: Gott glaubt an uns, und in Jesus ist das endgültige Wort, mit dem er uns seine ganze Liebe zu uns sagen will. Es liegt nun an uns, ihm mit Liedern der Freude zu antworten.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (Joh 1,1-18)
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Es war im Anfang bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist. In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst. Ein Mensch trat auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. [Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Es war in der Welt und die Welt ist durch es geworden, aber die Welt erkannte es nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.] Johannes legte Zeugnis für ihn ab und rief: «Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war». Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. Niemand hat Gott je gesehen. Der einzige Sohn, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht. – Evangelium des Herrn.
Kommentar zum Evangelium des Tages
In dieser Weihnachtszeit wurde uns dieser Evangelientext schon mehrfach vorgetragen. Was wie eine banale Wiederholung erscheinen kann, ist vielmehr ein Weg, auf dem uns die Liturgie helfen will, das Geheimnis von Weihnachten zu erforschen und zu vertiefen. Ein Text, der uns inmitten der vielen Lichter dieser Zeit helfen möchte, zum Wesentlichen vorzudringen und zu erkennen, dass Jesus «Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott» ist. Alles ist durch ihn geworden. Ein weiteres Detail verdient es, hervorgehoben zu werden: Wir sind nicht nur eingeladen, das Wesentliche zu suchen - das, worauf es ankommt, ist Jesus -, sondern auch zu verstehen, dass es in unserem Leben ein Wesentliches gibt, das manchmal sogar vor uns selbst verborgen ist. Wir sind so sehr von den äußeren Dingen eingenommen, dass wir nicht bemerken, dass es ein „Mehr“ gibt, das gefunden werden will; in unserem Herzen gibt es etwas Wesentliches, das erkannt werden möchte. Und um es zu erkennen, wurde mir ein Licht der Weisheit gegeben (I. Lesung), damit ich begreife, auf welche Höhe (II. Lesung) ich meinen Blick richten soll: auf die Heiligkeit.

