Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ Mai-Juni 2024
6. Sonntag der Osterzeit (B)
2. Woche im Psalter
ERSTE LESUNG
Aus der Apostelgeschichte (Apg 10,25-26.34-35.44-48)
Als Petrus gerade eintreten wollte [in das Haus des Kornelius], ging dieser ihm entgegen und fiel ihm zu Füßen, um ihm die Ehre zu erweisen. Petrus aber richtete ihn auf und sagte: „Steh auf! Auch ich bin nur ein Mensch.“ Dann begann er zu reden und sagte: „Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.“ Noch während Petrus dies sagte, kam der Heilige Geist auf alle herab, die das Wort hörten. Die gläubig gewordenen Juden, die mit Petrus gekommen waren, konnten es nicht fassen, dass auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde; denn sie hörten sie in Zungen reden und Gott preisen. Da sagte Petrus: „Kann jemand denen das Wasser zur Taufe verweigern, die ebenso wie wir den Heiligen Geist empfangen haben?“ Und er ordnete an, sie im Namen Jesu Christi zu taufen. Danach baten sie ihn, einige Tage zu bleiben. - Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
Petrus wird von Gott in das Haus eines unbeschnittenen Fremden gesandt, des gottesfürchtigen Hauptmanns Kornelius. In diesem Haus von Heiden verkündet der Apostel den gekreuzigten und auferstandenen Christus und die Vergebung der Sünden für jeden, der an ihn glaubt. Und siehe: Während Petrus spricht, wird der Heilige Geist über Kornelius und seine Angehörigen ausgegossen, die sofort im Namen Jesu Christi getauft werden. So etwas war noch nie geschehen. Petrus erkennt Gottes Wirken an, und aus dieser Erfahrung geht er freier von sich selbst und stärker in Gemeinschaft mit Gott und den anderen hervor. Das evangelisierende Wirken der Kirche kann und darf kein Hindernis für Gottes schöpferisches Wirken sein. Deshalb ist jeder von uns aufgerufen, die Begegnung der Herzen mit dem Herrn zu fördern. Es ist gut, uns von Zeit zu Zeit zu fragen, wie wir uns gegenüber unseren Brüdern und Schwestern verhalten, besonders gegenüber jenen, die keine Christen sind: Sind wir ein Hindernis für die Begegnung mit Gott oder erleichtern wir sie? Verspüren wir das Bedürfnis, allen Jesus Christus, den gekreuzigten und auferstandenen Herrn, zu verkünden? Lassen wir uns von Gottes Überraschungen staunen und werden wir immer mehr zu Werkzeugen seiner schöpferischen Wirksamkeit im Geist.
ZWEITE LESUNG
Aus dem ersten Brief des heiligen Apostels Johannes (1 Joh 4,7-10)
Geliebte, wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott, und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist Liebe. Darin hat sich die Liebe Gottes unter uns gezeigt: Gott hat seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt, damit wir durch ihn leben. Darin besteht die Liebe: Nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat. - Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
„Die Liebe ist aus Gott“, schreibt der heilige Johannes; das ist dasselbe wie zu sagen: „Gott ist Liebe.“ Gottes wesentliches Wirken ist die Liebe, und seine Liebe geht jeder anderen Liebe voraus: Gott liebt uns immer zuerst, und diese seine Liebe ist wirklich; sie ist sichtbar geworden, mehr noch: Sie ist im Sohn Jesus Fleisch geworden. Bei seinem Kommentar zum ersten Brief des heiligen Apostels Johannes sagt der heilige Augustinus: „Wenn im übrigen Brief, ja in der gesamten Heiligen Schrift, nichts anderes zum Lob der Liebe geschrieben wäre und wir aus dem Mund des Geistes Gottes nur diese eine Aussage gehört hätten: ‚Gott ist Liebe‘, müssten wir nichts anderes suchen.“ In der Menschwerdung des Wortes wird sichtbar, was Gott immer ist, war und sein wird. Doch es gibt noch mehr: Wer liebt, zeigt, dass er von Gott geliebt und von ihm gezeugt worden ist. Wer geliebt wird, liebt seinerseits: Die in Jesus Fleisch gewordene Liebe Gottes muss auch in den Jüngern Fleisch werden, die dazu berufen sind, sich neuen Horizonten zu öffnen, den Horizonten ihrer Brüder und Schwestern. Zu sagen, „Gott ist Liebe“, ist keineswegs eine Definition, sondern die Verkündigung, dass wir Gott immer als Liebe erfahren können!
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem Evangelium nach Johannes (Joh 15,9-17)
In jener Zeit sagte Jesus zu seinen Jüngern: „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird. Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt; damit alles, was ihr den Vater in meinem Namen erbittet, er euch gibt. Dies trage ich euch auf: Liebt einander!“ - Wort des Herrn.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Die große Wahrheit, die unser Leben erleuchtet, ist, dass Gott uns liebt; und das erfüllt jeden Aspekt unseres Daseins, vom Anfang bis zum Ende, mit Sinn. Wir sind nicht ein Zufallsprodukt, sondern gehen aus einem göttlichen Liebesplan hervor. Von jeher hat Gott an uns gedacht und uns deshalb erschaffen und in Christus erlöst, um uns eine glückselige Ewigkeit mit ihm zu schenken. So gewinnt die Einladung, „zu bleiben“, also in ihm verwurzelt zu leben, ihre volle Bedeutung. Der Glaube kann sich nicht auf die Annahme einiger Wahrheiten beschränken; vielmehr verlangt der Glaube Liebe, das heißt eine innige und persönliche Beziehung zu Christus. Als Frucht dieses Verwurzeltseins in der Liebe Christi empfangen wir eine tiefe Freude, die auch in den anstrengendsten Situationen unseres Lebens immer möglich sein wird, weil wir mit dem verbunden sind, der die Quelle jener Freude und jenes Glücks ist, nach denen sich das Herz sehnt. Welch ein Trost, dass Jesus uns Freunde nennt. Der Knecht ist einer, der nicht weiß, während der Freund durch tiefe Erkenntnis, Wissen und inniges Erfassen seines Wesens mit dem verbunden ist, der ihn liebt. Freunde des Herrn zu sein bedeutet nicht, einen innerlichen Glauben zu leben, sondern im Alltag das Leben in Christus ernst zu nehmen, in das uns die Taufe hineingenommen hat.

