Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ März-April 2024
2. Sonntag der Osterzeit oder der göttlichen Barmherzigkeit (B)
Osteroktav – eigene Texte
ERSTE LESUNG
Aus der Apostelgeschichte (Apg 4,32-35)
Die Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam. Mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung Jesu, des Herrn, und große Gnade ruhte auf ihnen allen. Es gab auch keinen unter ihnen, der Not litt. Denn alle, die Grundstücke oder Häuser besaßen, verkauften ihren Besitz, brachten den Erlös und legten ihn den Aposteln zu Füßen. Jedem wurde davon so viel zugeteilt, wie er nötig hatte. – Wort Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
Das erste Kennzeichen der apostolischen Kirche ist die äußerste Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse des Nächsten. In einer Familie sind die Geschwister Kinder desselben Vaters und derselben Mutter, und so sind wir in der Liebe Christi, nachdem wir die Taufe empfangen haben, untereinander Geschwister. Das Wirken des Geistes durchbricht die Schranken des natürlichen Egoismus. Wir spüren, dass wir unser kleines Leben nicht verteidigen müssen; wir dürfen die Dinge, die wir haben und teilen können, nicht für uns behalten; wir spüren, dass wir nicht mehr für uns selbst leben. Der Geist besitzt die Zentrifugalkraft, die wir in unseren Waschmaschinen beobachten: Der Behälter dreht sich mit großer Geschwindigkeit, und die gegen die Wände gedrückte Wäsche trocknet; ebenso werden wir durch die Gegenwart des Heiligen Geistes in uns aus unserem Mittelpunkt herausgedrängt und verwirklichen unser Leben, sind glücklich, gerade wenn wir uns um das Glück anderer kümmern und dafür interessieren. Wer dagegen nur an sich selbst denkt, ist am Ende unglücklich, weil die Liebe zum anderen, zur Umarmung, zur Gabe, zum Lächeln und zur Hilfe tendiert. Die Liebe ist „in den anderen wohnen“, sagte die selige Benedetta Bianchi Porro.
ZWEITE LESUNG
Aus dem ersten Brief des Apostels Johannes (1 Joh 5,1-6)
Geliebte, jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, stammt von Gott, und wer den liebt, der ihn gezeugt hat, liebt auch den, der von ihm gezeugt ist. Daran erkennen wir, dass wir die Kinder Gottes lieben: wenn wir Gott lieben und seine Gebote befolgen. Denn darin besteht die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer. Denn alles, was von Gott stammt, besiegt die Welt. Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat: unser Glaube. Wer sonst besiegt die Welt, außer dem, der glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist? Dieser ist es, der durch Wasser und Blut gekommen ist: Jesus Christus; nicht im Wasser allein, sondern im Wasser und im Blut. Und der Geist ist es, der Zeugnis ablegt; denn der Geist ist die Wahrheit. – Wort Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Das wahre Drama des Menschen ist nicht die Krankheit oder der Tod, sondern die Einsamkeit. Wir sind nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen, der die Liebe ist, und wenn wir niemanden lieben, wird unser Leben von allem leer. Alle wollen geliebt werden und Gegenstand der Aufmerksamkeit anderer sein, aber der Egoismus der Sünde hat uns zu dieser Überzeugung geführt: Wir wollen von anderen geliebt werden, aber es fällt uns ungeheuer schwer, den Nächsten zu lieben, als wäre die Liebe eine Einbahnstraße und wir stünden im Mittelpunkt von allem. Der heilige Johannes sagt uns, dass die Liebe zu Gott darin besteht, die Gebote zu befolgen, und diese drängen uns, den Nächsten wie uns selbst zu lieben; daraus folgt, dass unsere erste Sorge, um geliebt zu werden, darin bestehen muss, den Nächsten zu lieben. „Wo keine Liebe ist, bringe du die Liebe hin – schreibt der heilige Johannes vom Kreuz – und die Liebe wird erblühen.“ Im Wesentlichen: Wir sollten nicht darauf warten, von anderen geliebt zu werden, uns nicht beklagen, dass niemand uns beachtet, an uns denkt oder uns liebhat, sondern uns darum bemühen, dass wir selbst die Ersten sind, die unseren Nächsten beachten, an ihn denken und ihm Gutes tun. Unser Glück hängt von unserer Liebe zu den anderen ab.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem Evangelium nach Johannesxx (Joh 20,19-31)
Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammensaßen, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: „Friede sei mit euch!“ Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: „Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.“ Thomas, der Didymus genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: „Wir haben den Herrn gesehen!“ Er entgegnete ihnen: „Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.“ Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war bei ihnen. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: „Friede sei mit euch!“ Dann sagte er zu Thomas: „Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ Thomas antwortete und sagte zu ihm: „Mein Herr und mein Gott!“ Jesus sagte zu ihm: „Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ Noch viele andere Zeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen. – Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Die Gabe des Heiligen Geistes folgt bei Johannes nicht dem von Lukas für den Pfingsttag beschriebenen Schema (Brausen, heftiger Wind, Zungen wie von Feuer), sondern ist einfacher: Jesus haucht die Apostel an und schenkt ihnen den Heiligen Geist, wie am Anfang der Schöpfung: „Da formte Gott, der HERR, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem“ (Gen 2,7). Hier wird die Gabe geschenkt, damit die Apostel die Vollmacht erhalten, im Namen Gottes Sünden zu vergeben. Sünden wegzunehmen kann nämlich nur Gott, und der den Aposteln eingehauchte Heilige Geist ist derselbe Gott. In der Apostelgeschichte ist bei Pfingsten dagegen die unmittelbare Frucht des Geistes die Verkündigung, die Freimütigkeit des Wortes, der Mut. Die beiden Formen widersprechen einander nicht, sondern ergänzen sich: Der Geist ist der Antrieb unseres Handelns. Bei diesem ersten Pfingsten ist Thomas zufällig nicht anwesend. Es scheint eine Schuld zu sein, und vielleicht ist es das (wer weiß, wo er gelandet war …), aber sein späteres Bekenntnis enthält das ganze Evangelium: „Mein Herr und mein Gott!“ Hier verkündet er wie nur wenige andere die Göttlichkeit Christi. Thomas ist zunächst feindselig, aber da er zugleich demütig ist, ergibt er sich sofort vor seinem Herrn und seinem Gott.


