Taufe des Herrn (f) (B)
Eigene Stundenliturgie
Vor wenigen Tagen haben wir die Erscheinung des Herrn gefeiert und heute seine Taufe, die stattfindet, als Christus bereits erwachsen ist und sein öffentliches Wirken beginnt. Warum wird das Fest der Taufe des Herrn nach der Erscheinung des Herrn gefeiert? Am Jordan erleben wir eine neue Offenbarung der Göttlichkeit Christi, des geliebten Sohnes des Vaters. Damit findet ein Weg seinen Abschluss, der in der Nacht von Weihnachten begonnen hat (Jesus offenbart sich den Hirten), in der Erscheinung des Herrn bekräftigt wurde (die «Erscheinung», auf Griechisch «Epiphanie», vor den Weisen) und im Augenblick der von Johannes empfangenen Taufe vollendet wird. In dem Moment, in dem Jesus sich beugt, um die Taufe des Johannes zu empfangen, offenbart ihn der Vater der ganzen Welt als seinen geliebten Sohn. Auch im Augenblick unserer Taufe hat der Herr zu uns gesagt: «Du bist mein Sohn». Hören wir diese Stimme erneut und werden wir die ganze Liebe des Vaters zu jedem von uns spüren.
Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort hin“, Januar-Februar 2021.
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch des Propheten Jesaja (Jes 55,1-11)
So spricht der Herr: «Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser! Die ihr kein Geld habt, kommt, kauft Getreide und esst! Kommt und kauft ohne Geld, kauft Wein und Milch ohne Bezahlung! Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht satt macht, und euren Lohn für etwas, das nicht nährt? Hört doch auf mich, und ihr werdet Gutes essen und euch an köstlichen Speisen erfreuen! Neigt euer Ohr mir zu und kommt zu mir, hört, dann werdet ihr leben! Ich schließe mit euch einen ewigen Bund: Ich gewähre euch die beständigen Gnadengaben Davids. Seht her: Ich habe ihn zum Zeugen für die Völker gemacht, zum Fürsten und Gebieter der Nationen. Siehe, Nationen, die du nicht kennst, wirst du rufen; Nationen, die dich nicht kennen, eilen zu dir um des Herrn, deines Gottes, willen, um des Heiligen Israels, weil er dich verherrlicht hat. Sucht den Herrn, solange er sich finden lässt, ruft ihn an, solange er nahe ist. Der Frevler soll seinen Weg verlassen, der Übeltäter seine Pläne. Er kehre um zum Herrn, damit er Erbarmen hat mit ihm, und zu unserem Gott; denn er ist groß im Verzeihen. Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege - Spruch des Herrn. So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über euren Wegen und meine Gedanken über euren Gedanken. Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, ohne die Erde zu tränken und sie fruchtbar zu machen, sodass sie dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und führt das aus, wozu ich es ausgesandt habe.» – Wort des Herrn.
Kommentar zur ersten Lesung
«Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht satt macht, und euren Lohn für etwas, das nicht nährt?» Die Taufe Jesu, die Grundlage jeder unserer Taufen und unserer sichtbaren Zugehörigkeit zur Kirche, stellt uns vor eine erschütternde Wahrheit: Wir verschwenden Zeit, Kräfte und Geld. Es ist wichtig, sich dessen zunächst selbst bewusst zu werden, und dann müssen wir Gegenmaßnahmen ergreifen. Diese gehen jedoch nicht aus einem guten Vorsatz von uns hervor, sondern aus Gottes Initiative: Wir sind zerbrechlich und sündig, aber für uns ist der Weg der Barmherzigkeit offen. Zweifellos ist das verschwendete Geld, das für bedrückende Abhängigkeiten ausgegeben wird, ein Problem: Denken wir an ganze Familien, die durch Drogen, Spielsucht oder tausend andere Formen materieller Sklaverei zerstört werden. Die tiefste Traurigkeit liegt jedoch darin, dass wir nicht begreifen können, dass unser wahrer Reichtum wir selbst sind: Wir selbst sind die wahren Talente, die echten Goldmünzen, die der Herr von uns auf die beste Weise „ausgeben“ lassen möchte. Selbst wenn wir mit Mist bedeckt wären, blieben wir in seinen Augen äußerst wertvoll; lassen wir uns also von Gott „reinigen“ und beginnen wir, unser Leben zu dem Wunder zu machen, das der Vater sich erdacht hat.
ZWEITE LESUNG
Aus dem ersten Brief des heiligen Apostels Johannes (1 Joh 5,1-9)
Geliebte, jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, stammt aus Gott, und jeder, der den Vater liebt, liebt auch den, der aus ihm stammt. Daran erkennen wir, dass wir die Kinder Gottes lieben: wenn wir Gott lieben und seine Gebote erfüllen. Denn darin besteht die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; seine Gebote sind nicht schwer. Denn alles, was aus Gott gezeugt ist, besiegt die Welt. Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat: unser Glaube. Wer sonst besiegt die Welt, außer dem, der glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist? Dieser ist es, der durch Wasser und Blut gekommen ist: Jesus Christus. Er ist nicht nur im Wasser gekommen, sondern im Wasser und im Blut. Und der Geist ist es, der Zeugnis ablegt; denn der Geist ist die Wahrheit. Denn drei sind es, die Zeugnis ablegen: der Geist, das Wasser und das Blut; und diese drei stimmen überein. Wenn wir schon das Zeugnis von Menschen annehmen, so ist das Zeugnis Gottes größer; denn das ist das Zeugnis Gottes: Er hat Zeugnis abgelegt für seinen Sohn. – Wort des Herrn.
Kommentar zur zweiten Lesung
«Wer sonst besiegt die Welt, außer dem, der glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist?» Die „Welt“ stellt die Bosheit dar, die sich dem Licht und dem Reich Gottes entgegenstellt. Sich taufen zu lassen und auch kleinen Kindern die Taufe zu schenken bedeutet, in eine Dynamik des Lichts, der Gnade und der geistlichen Schönheit einzutauchen. Manche fragen noch immer: Ist es nicht respektlos gegenüber ihrer Freiheit, Kinder taufen zu lassen, die später ihre eigenen Entscheidungen treffen sollen? Um diese Frage zu beantworten, beginnen wir mit der materiellen Ebene. Gibt man kleinen Kindern das Beste, um sie zu ernähren, oder überlässt man sie Entscheidungen, mit denen sie nicht umgehen können? Ist es sinnvoller, sie in einem schönen und würdigen Haus aufwachsen zu lassen oder in einem geistlichen Elendsviertel? Das Problem betrifft also auch uns und fordert uns heraus: Worauf gründen wir unser Leben? Auf dem, was vergeht, was nichtig ist, von dem wir genau wissen, dass es schmutzig und verfallen ist … oder auf Jesus Christus? Er ist der «Weg, die Wahrheit und das Leben». Verankern wir uns also im wahren geistlichen Hafen und verlieren wir den Kurs unserer Fahrt nicht: Der Polarstern ist vor uns.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem Evangelium nach Markus (Mk 1,7-11)
In jener Zeit verkündete Johannes: «Nach mir kommt einer, der stärker ist als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um die Riemen seiner Sandalen zu lösen. Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.» Und es geschah in jenen Tagen, dass Jesus aus Nazaret in Galiläa kam und sich von Johannes im Jordan taufen ließ. Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass sich der Himmel öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: «Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.» – Evangelium des Herrn.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Diese Stelle aus dem Evangelium stellt uns ganz konkret die Dreifaltigkeit selbst in ihrem Wirken vor Augen. Jesus, der angekündigt, angetroffen und als geliebter Sohn verkündet wird; der Geist, der auf ihn herabkommt; und die Stimme des Vaters, die sich an den Sohn richtet. Vielleicht wurde auch uns eher durch Haltungen als durch Worte ein ferner Gott vermittelt, der glücklich im Himmel wohnt, während wir uns mitten in den Nöten dieser Welt abmühen. Die Taufe Jesu, Ankündigung und Verheißung jeder Taufe, sagt uns dagegen, dass wir wirklich in das göttliche Leben aufgenommen sind - nicht aufgrund unserer Verdienste, sondern als «Kinder im Sohn Jesus». Auch wir haben Anteil an seiner Gotteskindschaft, daran, dass er der vom Vater geliebte Sohn ist. Und das ist unser wahrer Reichtum: geliebte Kinder des Vaters zu sein. Wir leben dagegen wie Arme, wenn wir uns von Ängsten, seelischen Verletzungen und inneren wie äußeren Unordnungen niederdrücken lassen, die uns daran hindern, uns wirklich geliebt zu fühlen. Wie oft schämen wir uns für das, was wir sind, doch das ist nutzlos, wenn es bei einem fruchtlosen Schuldgefühl bleibt. In dem Moment, in dem wir uns vertrauensvoll der Barmherzigkeit öffnen, werden auch wir im Geist neu geboren und entdecken wieder, dass wir mit der Würde bekleidet sind, die den Kindern eines Königs eigen ist.

