3. Fastensonntag (B) violett
3. Woche im Psalter
Texte aus dem Messbuch „Sulla Tua Parola“, März-April 2021
Nach der Wüste und dem Berg führt uns Jesus in den Tempel. Er tut dies, um uns den absoluten Vorrang Gottes zu zeigen. Er tut es, um uns zu sagen, dass die Zeit gekommen ist, uns zu fragen, was sich in unserem Tempel, in unserem Herzen, befindet. Auch die erste Lesung hilft uns bei diesem Übergang. Die Gebote Gottes sollen keine mehr oder weniger belastenden Lasten sein, sondern sie wollen uns erfreuen und uns Mut machen. Sie sollen unsere Augen erleuchten, damit sie die Welt sehen, wie sie wirklich ist. Jesus betritt den Tempel und findet Händler vor; und wenn er in unser Herz eintritt, was findet er dann? Findet er in uns ein Haus des Gebets oder einen Ort der Verwirrung? Ist in uns die Gegenwart Gottes, seines Wortes? Gibt es in uns den Eifer, die Gebote zu befolgen? Lassen wir zu, dass Jesus unsere Verkaufsstände umstößt, damit wir in die Unentgeltlichkeit der Liebe eintreten.
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch Exodus (Ex 20,1-17)
In jenen Tagen sprach Gott alle diese Worte: „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus, herausgeführt hat: Du sollst neben mir keine anderen Götter haben. Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde. Du sollst dich nicht vor ihnen niederwerfen und ihnen nicht dienen. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen bis zur dritten und vierten Generation; bei denen, die mich lieben und meine Gebote befolgen, erweise ich Tausenden meine Huld. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr lässt den nicht ungestraft, der seinen Namen missbraucht. Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig! Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, dein Vieh und der Fremde, der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel, Erde und Meer gemacht und alles, was dazugehört; am siebten Tag ruhte er. Darum hat der Herr den Sabbattag gesegnet und ihn geheiligt. Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt. Du sollst nicht morden. Du sollst nicht die Ehe brechen. Du sollst nicht stehlen. Du sollst nichts Falsches gegen deinen Nächsten aussagen. Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten verlangen. Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen, nach seinem Sklaven oder seiner Sklavin, seinem Rind oder seinem Esel oder nach irgendetwas, das deinem Nächsten gehört.“ – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
„Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus, herausgeführt hat.“ Jedes Mal, wenn man sich freiwillig vom Herrn entfernt und sich dafür entscheidet, Böses zu tun, gelangt man in „Ägypten“. Ist es dir im Laufe deines Lebens schon einmal passiert, dass du allein, enttäuscht und deinen selbst getroffenen falschen Entscheidungen ausgeliefert durch dieses „Land“ gegangen bist? Man berührt den Tiefpunkt, doch wir können sagen, dass man dort mehr als an jedem anderen Ort erfährt und mit eigenen Händen spürt, wer unser Gott wirklich ist: Er nimmt sich meiner an, heilt meine Wunden und führt mich mit seiner Liebe Schritt für Schritt in die Freiheit. Dann entdecke ich, dass seine Regeln und seine Gebote keine Einschränkung meiner Freiheit sind, sondern eine wertvolle Hilfe, damit ich weitergehen kann. Verzichten wir nicht auf die Güte, die der Herr denen vorbehält, die ihn lieben und seine Gebote befolgen, sonst verurteilen wir uns selbst zum Unglücklichsein. Der große heilige Antonius der Wüste rief, als er im Sterben lag und liebevoll von seinen Jüngern umgeben war, unter Tränen aus: „Ich war gerade erst dabei, den Herrn zu lieben!“ Das soll auch für uns gelten.
ZWEITE LESUNG
Aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther (1 Kor 1,22-25)
Brüder und Schwestern, die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit. Wir dagegen verkünden Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Denn das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen. – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Für die Juden ist Jesu Tod am Kreuz ein Ärgernis, für die Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber ist er Gottes Kraft und Weisheit. Und für uns? Was sagt uns Jesu Tod am Kreuz? Sagen wir die Wahrheit: Seine Fügsamkeit, sich zunächst führen und dann ans Kreuz nageln zu lassen, steht ziemlich im Widerspruch zu unserem „kämpferischen“ Geist. Spucke, Demütigungen, Schläge, körperliches und seelisches Leiden, alles vor den Augen des „Publikums“, der begeisterten und verräterischen Menge. Und Jesus, der kein Wort spricht. Wie groß war seine Gabe! So groß wie der Grund, aus dem er es getan hat: die unermessliche Liebe zu uns. Man kann das Kreuz nicht verstehen, wenn man nicht zuvor durch den Ölberg gegangen ist, wo er sich ohne Vorbehalt dem Willen des Vaters übergeben hat: „Nimm diesen Kelch von mir! Doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“ Jesus, du bist zum Willen des Vaters geworden! Wie viel können wir lernen! Deine Barmherzigkeit möge uns beistehen und uns dazu führen, dem Willen Gottes Raum in unserem Leben zu geben. Wieder einmal ist es nicht das bloße Leiden Gottes, das rettet, sondern die Liebe, mit der der Herr es durchlebt hat.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem Evangelium nach Johannes (Joh 2,13-25)
Das Paschafest der Juden war nahe und Jesus zog nach Jerusalem hinauf. Im Tempel fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler, die dort saßen. Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus samt den Schafen und Rindern; das Geld der Wechsler schüttete er aus und ihre Tische stieß er um. Zu den Taubenhändlern sagte er: „Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!“ Seine Jünger erinnerten sich an das Wort der Schrift: „Der Eifer für dein Haus wird mich verzehren.“ Da ergriffen die Juden das Wort und sagten zu ihm: „Welches Zeichen lässt du uns sehen, dass du dies tun darfst?“ Jesus antwortete ihnen: „Reißt diesen Tempel nieder und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten.“ Da sagten die Juden: „Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten?“ Er aber meinte den Tempel seines Leibes. Als er von den Toten auferstanden war, erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte. Während er zum Paschafest in Jerusalem war, kamen viele zum Glauben an seinen Namen, als sie die Zeichen sahen, die er tat. Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an, denn er kannte sie alle und brauchte von keinem ein Zeugnis über den Menschen; denn er wusste, was im Menschen war. – Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
In diesem Abschnitt des Evangeliums sehen wir Jesus handeln: Er „räumt“ im Tempel auf, und zwar auf ziemlich energische Weise. Es scheint seltsam, ihn so handeln zu sehen, aber dieser Stil gefällt uns! Großartig, Jesus! Auch du lässt dich vom Eifer verzehren. In dir bewundern wir unsere Menschlichkeit, unser Herzblut, den Mut, Zeugnis abzulegen, gegen den Strom zu schwimmen, und vieles mehr. Deinen Spuren zu folgen ist also möglich. Deine Schritte sind die eines Menschen, und wir sind mit deiner Hilfe fähig, auf deinen Spuren zu gehen. Wir wollen dir folgen. Jetzt ist die Zeit gekommen, den Eifer zu sehen und nachzuahmen, der dich seit jeher beseelt: die Liebe zum Vater und zu seinem Haus. Was ist zu tun? Beginnen auch wir, im Tempel unseres Herzens aufzuräumen. Entfernen wir all unsere „Waren“, die Andenken und Verkrustungen; bitten wir Jesus herein und lassen wir ihn eintreten, und er wird das Reich des Vaters in uns wiederherstellen. Nehmen wir ihn auf und lassen wir uns führen. Ein Evangelium, das uns beinahe banal erscheinen kann (endlich lässt Jesus sich gehen!) oder eine Lesung, die uns schockiert (aber ist Jesus nicht reine Güte und Sanftmut?): Jesus, wahrer Gott und wahrer Mensch, hilft uns, Gott an die erste Stelle zu setzen, bis zum Kreuz, bis zur Auferstehung.

