Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ Januar-Februar 2023
Taufe des Herrn (Fest) (A)
Eigenfeier
ERSTE LESUNG
Aus dem Buch des Propheten Jesaja (Jes 42,1-4.6-7)
So spricht der Herr: „Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze; mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt; er bringt den Nationen das Recht. Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht löscht er nicht aus; ja, er bringt wirklich das Recht. Er wird nicht müde und bricht nicht zusammen, bis er auf der Erde das Recht begründet hat; auf sein Gesetz warten die Inseln. Ich, der Herr, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen, ich fasse dich an der Hand. Ich habe dich geschaffen und dazu bestimmt, der Bund für mein Volk und das Licht für die Völker zu sein: blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu führen und alle, die im Dunkel sitzen, aus ihrer Haft.“ – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur ersten Lesung
Im Buch des Propheten Jesaja ist von einer Gestalt des „Knechtes“ die Rede, eines von Gott geführten Menschen, eines Demütigen, der kein anderes Interesse haben wird, als Gott zu dienen, um allen Gerechtigkeit, Wahrheit und das Gute zu verkünden. Dieser Knecht hat eine große Mission: Er muss bis an die Enden der Erde gelangen, da sogar die Inseln „auf seine Lehre warten“. Um so weit zu kommen, wird er keine aufdringlichen, lauten oder aggressiven Mittel einsetzen; im Gegenteil, er wird sanftmütig und still sein, fähig, auch in kleinen Dingen das Gute zu sehen, stets in der Wahrheit. Das wird nämlich sein wichtigstes Merkmal sein: immer in der Wahrheit zu sein, um jeden Preis. Wer ist dieser Knecht? Es ist Jesus, der sich der Welt sanftmütig und demütig zeigt, aber deshalb nicht unterwürfig oder unsicher ist. Er beugt sich vor den Aposteln nieder, um ihnen die Füße zu waschen und ihnen zu dienen, zugleich aber ist er derjenige, der durch ein Wort einen Toten aus dem Grab kommen lässt und mit dem Hauch seines Mundes die Mächte der Hölle erschreckt. Die Liebe trägt nämlich sowohl das Merkmal der Sanftmut (das ist der Knecht) als auch der Kraft (das ist der König). Die Liebe ist zugleich demütig und stark.
ZWEITE LESUNG
Aus der Apostelgeschichte (Apg 10,34-38)
In jenen Tagen begann Petrus zu reden und sagte: „Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist. Er hat das Wort den Israeliten gesandt, indem er den Frieden verkündete durch Jesus Christus: Dieser ist der Herr aller. Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat: wie Gott Jesus von Nazaret mit dem Heiligen Geist und mit Kraft gesalbt hat, und wie dieser umherging, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm.“ – Wort des lebendigen Gottes.
Kommentar zur zweiten Lesung
Dies ist die erste Predigt des Petrus an die Heiden. Eingeladen in das Haus des römischen Hauptmanns Kornelius bekennt der Apostelfürst demütig etwas, das auch er nur schwer zu verstehen vermag: dass der Heilige Geist allen gegeben wird, ohne Unterschied von Rasse oder Nationalität. Und als Argument führt er die Taufe Jesu an. Die Bußtaufe gehörte zu Johannes dem Täufer (und wahrscheinlich empfing auch der heilige Petrus sie), während die Taufe Christi reines Feuer ist, weil sie die Taufe im Heiligen Geist ist. Der Übergang geschieht an dem Tag, an dem Jesus in die Wasser des Jordan steigt; dort wird er mit Kraft „gesalbt“, und von diesem Augenblick an begegnet er allen Menschen, indem er Gutes tut und sie von der Unterdrückung durch den Dämon befreit. Die Wirkung des Heiligen Geistes besteht darin, den Sohn mit Kraft aus der Höhe zu erfüllen und zu bekleiden, damit sich alle ohne Unterschied darauf vorbereiten können, später, nach der Passion und dem Kalvarienberg, seinen eigenen Geist zu empfangen. Heute teilt uns die Taufe, die wir mit Wasser empfangen, das Feuer des Heiligen Geistes mit.
EVANGELIUM DES TAGES
Aus dem Evangelium nach Matthäus (Mt 3,13-17)
In jener Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: „Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?“ Jesus antwortete ihm: „Lass es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit ganz erfüllen.“ Da gab Johannes nach. Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“ – Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Kommentar zum Evangelium des Tages
Der Mensch versteht nicht immer das erschütternde Handeln des Herrn. „Lass es zu, auch wenn du es nicht verstehst … später wirst du es verstehen“, sagt der Herr zu Johannes dem Täufer, als dieser verhindern will, dass Jesus getauft wird; dasselbe sagt er zu Petrus beim Letzten Abendmahl, als der Apostel sich weigert, ihm die Füße waschen zu lassen. Beide möchten die Würde Jesu bewahren und erkennen demütig an, dass Christus sich in beiden Fällen nicht so weit erniedrigen könne. Doch sie irren, denn Gott weiß, was er tut: Er will zeigen und beweisen, dass er Mensch geworden ist, um den Menschen in seiner Schwachheit aufzunehmen, ihn von der Sünde zu retten, indem er ihn Buße lehrt (und sich taufen lässt) und den Dienst am Nächsten (und den Aposteln die Füße wäscht). Gott rettet den Menschen nicht, indem er in den Wolken bleibt, fern und von oben herab, in seiner Unberührbarkeit, mit einem Zauberstab, sondern er rettet ihn, indem er ganz in das menschliche Geschehen eintritt, leidet, dir in die Augen schaut und alles in einem übermenschlichen Liebesakt zu sich emporhebt. Das ist es, was auch wir in der Gemeinschaft mit dem Täufer und Petrus nur schwer verstehen: dass Gott sich für uns demütigt. Doch die Liebe ist demütig, sie beugt sich herab, macht sich klein, damit du, Sünder, ihr begegnen und dich ihr hingeben kannst.

