Texte aus dem Messbuch „Auf dein Wort“ März-April 2023
Ostertriduum – „Auferstehung des Herrn“
Eigentexte
MESSE VOM TAG UND ABENDMESSE
ERSTE LESUNG
Aus der Apostelgeschichte (Apg 10,34a.37-43)
In jenen Tagen ergriff Petrus das Wort und sagte: „Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat: wie Gott Jesus von Nazaret mit dem Heiligen Geist und mit Kraft gesalbt hat, wie dieser umherging, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm. Und wir sind Zeugen für alles, was er im Land der Juden und in Jerusalem getan hat. Ihn haben sie getötet, indem sie ihn ans Kreuz hängten. Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt und hat ihn erscheinen lassen, zwar nicht dem ganzen Volk, wohl aber den von Gott vorherbestimmten Zeugen: uns, die wir mit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten gegessen und getrunken haben. Und er hat uns geboten, dem Volk zu verkünden und zu bezeugen: Er ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten. Von ihm bezeugen alle Propheten, dass jeder, der an ihn glaubt, durch seinen Namen die Vergebung der Sünden empfängt.“ – Wort des lebendigen Gottes.
Auslegung zur ersten Lesung
Vom Heiligen Geist erfüllt, fasst Petrus in einer gehaltvollen Rede die gesamte Geschichte Jesu von Nazaret zusammen. Durch Petrus, der inzwischen die Schranken der strengen jüdischen Gesetzestreue fallen gelassen hat, erreicht die Botschaft des Heils zum ersten Mal die Heiden; viele von ihnen gelangen zum Glauben, weil ihr Herz offen für das Hören ist. Indem Lukas uns diese Rede überliefert, vermittelt er uns authentische Fragmente des „ersten Evangelisierungsdienstes“ der entstehenden Kirche. Das Thema der Verkündigung ist einzig: die Person Jesu von Nazaret selbst, des von Gott im Heiligen Geist gesalbten Messias. Die Apostel können bezeugen, dass er während seines irdischen Lebens Wunder gewirkt, Kranke geheilt und diejenigen, denen er begegnete, aus der Macht des Bösen befreit hat. Doch der missionarische Eifer und die unbändige Freude seiner Jünger entspringen der Erfahrung des Ostergeheimnisses, der Begegnung mit dem auferstandenen Christus, den sie für immer tot geglaubt hatten. Davon legen sie Zeugnis ab. Jener Jesus, der abgelehnt und gekreuzigt starb, „den hat Gott auferweckt“ und damit die Wahrheit seiner Verkündigung besiegelt.
ZWEITE LESUNG
Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Kolosser (Kol 3,1-4)
Brüder und Schwestern, seid ihr nun mit Christus auferweckt, so strebt nach dem, was oben ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt! Richtet euren Sinn auf das, was oben ist, nicht auf das Irdische! Denn ihr seid gestorben und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott. Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit. – Wort des lebendigen Gottes.
Auslegung zur zweiten Lesung
Im Brief an die Kolosser gelangt Paulus’ Reflexion, die wie immer vom Ostergeschehen ausgeht, dazu, die kosmischen Dimensionen des Geheimnisses Christi zu erfassen, der mit einigen grundlegenden Eigenschaften bezeichnet wird. Er ist gemeinsam mit dem Vater Schöpfer, Erstgeborener der Schöpfung und neuer Adam, Haupt des Leibes, der die Kirche ist, und Erlöser der Welt. Durch die Taufe, die ihn am Tod und an der Auferstehung des Herrn teilhaben lässt, und durch ein Leben des Glaubens, das den Taufkeim zur vollen Entfaltung bringt, wird der Christ ein lebendiges Glied Christi. Dies bedeutet nicht nur die Verpflichtung, der Sünde zu entsagen und in einem neuen Leben zu wandeln, sondern auch eine entschiedene Ausrichtung auf die himmlischen Wirklichkeiten, getragen vom Bewusstsein seiner Identität als Kind Gottes, als Pilger zur ewigen Stadt, auf die er einerseits zustrebt, während er sich andererseits - in Christus, dem Auferstandenen - bereits dort befindet. Daher ist es notwendig, kluge Entscheidungen zu treffen und „nach dem zu streben, was oben ist“, was einem auferstandenen, himmlischen Leben entspricht. Daher die Einladung, alles abzulegen, was das Dasein zu äußerlich macht.
Oder:
Aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther (1 Kor 5,6b-8)
Brüder und Schwestern, wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert? Schafft den alten Sauerteig weg, damit ihr neuer Teig seid; ihr seid ja schon ungesäuertes Brot. Denn als unser Paschalamm ist Christus geopfert worden. Wir wollen also das Fest nicht mit dem alten Sauerteig feiern, nicht mit dem Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit den ungesäuerten Broten der Aufrichtigkeit und Wahrheit. – Wort des lebendigen Gottes.
Auslegung zur zweiten Lesung
Die Begegnung mit dem auferstandenen und lebendigen Christus bestimmt das sittliche Verhalten des Christen, der nun von einem mehr oder weniger strengen und detaillierten Normensystem frei ist. Ohne jede Übertreibung kann sich Paulus daher auf das Ostergeheimnis berufen, während er mit maßgeblicher Entschlossenheit in bestimmte bedauerliche Situationen eingreifen muss, die in der Gemeinde von Korinth aufgetreten sind. In Anlehnung an den Ritus des jüdischen Paschafestes, den Jesus als Gedächtnis seines heilbringenden Todes zur Vollendung gebracht hat, erinnert Paulus an den Brauch, vor dem Fest allen alten Sauerteig zu verbrennen, da er ein Zeichen der Verderbnis ist, die das neue Leben nicht verunreinigen darf. Ihr selbst - sagt er den Korinthern - müsst reines, neues Brot sein, das Christus durch seine Selbsthingabe heiligt. Er ist das wahre Pascha, das geopferte Lamm, dessen Blut uns vor dem Verderber schützt. Im Bewusstsein der Tragweite dieses Opfers ist der Christ berufen, in der Neuheit zu leben und aus seinem Herzen den Sauerteig alter Gewohnheiten und kleiner oder großer Laster zu entfernen, mit denen er sich gemeinmacht, um sich Gott in Reinheit darzubringen, als das neue Brot des Paschafestes.
EVANGELIUM VOM TAG
Aus dem Evangelium nach Johannes (Joh 20,1-9)
Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: „Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben!“ Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab. Sie liefen beide zusammen, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden an einer besonderen Stelle. Da ging auch der andere Jünger, der als Erster an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. Denn sie hatten noch nicht die Schrift verstanden, dass er von den Toten auferstehen müsse. – Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Auslegung zum Evangelium vom Tag
Johannes, der Jüngste, kommt als Erster an, geht aber nicht in das Grab Jesu hinein, weil ihn die Angst vor der Leere lähmt. Dieses leere Grab, das keinen Sinn ergibt - aber allem einen Sinn gibt -, kann er nicht begreifen. Es ist die Angst, die wir davor haben, in Leeren einzutreten, die keinen Sinn ergeben und denen wir im Leben begegnen. Die Leere eines Verlustes, einer Krankheit, einer Enttäuschung, eines zerstörten Glücks, einer falschen Entscheidung, eines zerbrochenen Traums. Es ist die Angst vieler junger Menschen, die ihre Zukunft immer leerer oder, besser gesagt, von Gewissheiten und Möglichkeiten entleert sehen. Viele Leeren, die uns allmählich entleeren, weil wir sie nicht immer erklären können und sie uns deshalb Angst machen. Johannes, der als Einziger unter dem Kreuz gestanden hatte, kann nun nicht in die Auferstehung eintreten. Sein Glaube ist der eines Menschen, der gelernt hat zu leiden, aber noch nicht auferstehen kann, weil er diese Leere nicht auf die richtige Seite tragen kann: über den weggerollten Stein hinaus. Dank des Glaubens des Petrus füllt Johannes seine Lücke, und auch wir können sagen, dass Auferstehen bedeutet, Jesus zu erlauben, unsere Leere zu bewohnen, damit wir, wenn alle Steine weggerollt sind, die wir in uns tragen, zu einem neuen Leben wiedergeboren werden können.
Wo die Abendmesse gefeiert wird, kann das folgende Evangelium verkündet werden:
Aus dem Evangelium nach Lukas (Lk 24,13-35)
Und siehe, am gleichen Tag waren zwei [von den Jüngern] auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das von Jerusalem etwa elf Kilometer entfernt ist. Sie unterhielten sich über alles, was geschehen war. Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen. Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten. Und er sagte zu ihnen: „Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet?“ Da blieben sie traurig stehen und der eine von ihnen, er hieß Kleopas, antwortete ihm: „Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als Einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?“ Er fragte sie: „Was denn?“ Sie antworteten ihm: „Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Wort und Tat vor Gott und dem ganzen Volk. Doch unsere Hohepriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen. Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist. Doch auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab, fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, sie hätten Engel gesehen und die hätten gesagt, er lebe. Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht.“ Da sagte er zu ihnen: „Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist, um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben. Musste nicht der Christus dies erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen?“ Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht. So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen, aber sie drängten ihn und sagten: „Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt!“ Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, als er mit ihnen bei Tisch war: Er nahm das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen. Da gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten ihn; doch er entschwand ihren Blicken. Und sie sagten zueinander: „Brannte nicht unser Herz in uns, als er auf dem Weg mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?“ Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück. Dort fanden sie die Elf und die mit ihnen versammelt waren. Diese sagten: „Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.“ Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach. – Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Auslegung zum Evangelium vom Tag
Der Abschnitt über die Jünger von Emmaus ist ein Bild für den Weg des Lebens, denn Träume und Enttäuschungen, Hinwege und Rückkehr, Zweifel und Glaube, Mutlosigkeit und Trost, Ruhe und Eile, Tod und neues Leben wechseln einander ab. Doch eine Sache verbindet die gesamte Erfahrung der Jünger von Emmaus: Freundschaft. Die beiden gehen gemeinsam, tauschen sich aus, haben ein gemeinsames Ziel und hatten zunächst auch dieselbe Hoffnung, die nun jedoch zerstört scheint. Deshalb teilen sie auch die Enttäuschung und versuchen, sie zu überwinden, indem sie gemeinsam ihre Schritte zurückverfolgen. Antoine de Saint-Exupéry schrieb: „Mein Freund, neben dir habe ich nichts, wofür ich mich entschuldigen, nichts, wovor ich mich verteidigen, nichts, was ich beweisen müsste: Ich finde Frieden ... Jenseits meiner unbeholfenen Worte gelingt es dir, in mir einfach den Menschen zu sehen.“ Der Freund Jesus tritt zu ihnen, und auch wenn sie ihn nicht erkennen, sieht der Auferstandene in ihnen einfach den Menschen, mit all seiner Zerbrechlichkeit und Blindheit in der Liebe. Die Freundschaft mit Jesus hilft uns aufzustehen, wenn andere Menschen nicht einmal wissen, dass wir gefallen sind. Wir leben unser Pascha, und sofort ist Frieden. Heute ein Gedanke an unsere Freunde, an diejenigen, die den Weg mit uns teilen und uns helfen, die Augen zu öffnen, vor allem die Augen des Herzens.


