Ein arabisches Dorf im Heiligen Land, ein armes, aber tiefgläubiges Ehepaar und eine Pilgerreise nach Bethlehem: Das ist der Kontext, in dem die „Blume von Galiläa“, Schwester Maria von Jesus dem Gekreuzigten, mit bürgerlichem Namen Mariam Baouardy, erblüht.
Das außergewöhnliche Leben dieser 1846 in Abellin, nicht weit von Nazareth, geborenen Karmelitin ist eng mit der Jungfrau verbunden, der sie geweiht war. Ihre Eltern hatten vor ihr nämlich nacheinander zwölf Kinder verloren. Sie legten ein Gelübde ab und pilgerten zu Fuß zur Grotte der Geburt Christi, um um das Geschenk einer Tochter zu bitten. Zum Dank dafür schenkten sie der Gottesmutter das ihrem Gewicht entsprechende Wachs.

Seit ihrer Kindheit zeigte Mariam besondere Gnadengaben, musste aber auch Prüfungen und Drangsale aller Art erleiden. Nachdem sie im Alter von drei Jahren zur Waise geworden war, arbeitete sie später als Dienstmädchen und bevorzugte ärmere Familien, für die sie sogar um Almosen bat. Sie wurde des Diebstahls verdächtigt und landete im Gefängnis. Mit 17 Jahren hatte sie ihre erste Ekstase.
Dem Eintritt in den Karmel in Pau in Frankreich im Alter von 21 Jahren gingen Jahre als Tochter des heiligen Josef voraus: Zwei Jahre lang war sie Postulantin bei den Schwestern vom heiligen Josef der Erscheinung in Marseille.
Das Gelübde der Jungfräulichkeit legte sie im Alter von 13 Jahren ab. Als man ihr einen Ägypter zur Heirat vorschlug, schnitt sie sich als Zeichen der Weihe die Haare ab. Damit entfachte sie den Zorn ihres Onkels, der sie deshalb demütigte und wie eine Dienstmagd behandelte.
Kurz darauf kam Mariam an die Schwelle des Todes: Als Antwort auf einen Türken, der sie zum Übertritt zum Islam bewegen wollte, bekannte sie sich als Tochter der katholischen Kirche.
Deshalb schnitt ihr der muslimische Diener die Kehle durch. Es waren „die Bluthochzeit“, am 8. September 1859. Als Beweis für das Geschehene blieben ihr für immer die raue Stimme und eine zehn Zentimeter lange Narbe am Hals; außerdem wurde festgestellt, dass ihr sogar einige Ringe der Luftröhre fehlten. Wie ein berühmter Arzt aus Marseille feststellte, obwohl er Atheist war, „musste es einen Gott geben, denn unter diesen Umständen hätte sie ohne ein Wunder nicht überleben können“.
In ihrem intensiven und bewegten Leben reiste sie von den Wegen Galiläas nach Alexandria, Beirut und Frankreich bis nach Mangalore in Indien, wo sie 1871 im Alter von 24 Jahren als erste Karmelitin ihre Profess ablegte. Danach kehrte sie nach Pau zurück, wenige Kilometer von Lourdes entfernt; von dort brach sie 1875 in ihr Heiliges Land auf.
Wegen ihres mädchenhaften Aussehens nannten die Mitschwestern sie „die kleine Araberin“, sie selbst bezeichnete sich jedoch als „kleines Nichts“. Ausgerechnet sie - die kaum Französisch sprach und gewiss nichts von Architektur verstand - beschrieb den Entwurf und leitete die Bauarbeiten für das Kloster, das in Bethlehem entstehen sollte.
Trotz der vielen empfangenen Gnaden bewahrte sie stets den Gehorsam gegenüber den Oberen, „Gehorsam bis zum Wunder“, sogar über ihren Tod hinaus: Dies war der Beweis, dass alles von Gott kam. In ihrer Einfachheit nannte sie die Stigmata und die Erscheinungen der Passion, die sie in ihrem Körper durchlebte, „meine Krankheit“.
Doch die Passion, die sie durchlebte, wurde erst nach ihrem Tod, der am 26. August 1878 infolge eines durch einen Sturz verursachten Wundbrands eingetreten war, besser verstanden. Sie starb unter unsäglichen Schmerzen im Kloster, das auf dem Hügel des Königs David im Bau war. Als das Herz entnommen wurde, stellte man die Narbe einer tiefen, nicht erst kürzlich zugefügten Wunde fest. Ihr Herz war wie das anderer Heiliger „transverberiert“, darunter das ihrer Namenspatronin Teresa von Ávila.


