Die erste revolutionäre Messe in Coena Domini
Bis heute erinnern wir uns alle an den 28. März 2013, als Papst Franziskus, nur zwei Wochen nach seiner Wahl auf den päpstlichen Stuhl, die „revolutionäre“ Tradition einführte, den ersten Teil des österlichen Triduums an Orten menschlichen Leidens zu feiern.
Im Jugendgefängnis Casal del Marmo goss er in einer herzergreifenden Geste zwölfmal Wasser über die Füße von ebenso vielen jungen Gefangenen und wusch sie. Zwölfmal trocknete er die Füße mit einem weißen Tuch ab. Zwölfmal küsste er jene Füße, die er gewaschen und abgetrocknet hatte. Und zwölfmal hob er den Blick, lächelte, schüttelte die Hand und erhielt seinerseits ein Lächeln, ein Dankeschön und einen Kuss auf die Hand.
Diese Tradition führte Papst Franziskus auch in den folgenden Jahren fort. Bis er 2023 erneut in die Justizvollzugsanstalt Casal del Marmo zurückkehrte, diesmal jedoch im Rollstuhl. Dort leitete er die Messe und überließ seinem Zeremonienmeister, Monsignore Diego Ravelli, und dem Gefängnisseelsorger Don Nicolò Ceccolini die Feier der Eucharistie. Wie zehn Jahre zuvor wusch er jedoch, auch dank eines erhöhten Podests, zwölf Jungen und Mädchen die Füße. Wieder waren die Zeichen des Leidens aus seinem Gesicht verschwunden und hatten nur dem Lächeln Raum gelassen.
Die Liebkosung Christi selbst weitergeben
Was steht hinter der Geste von Papst Franziskus, den Gefangenen die Füße zu waschen und zu küssen? Die Antwort finden wir in seinen eigenen Worten: «Anstatt so zu handeln, wie es uns die Gerissenen beibringen, nämlich einander auszutricksen. Es ist so schön, sich gegenseitig zu helfen und einander die Hand zu reichen.» Zehn Jahre zuvor, während der Predigt bei dieser ersten Fußwaschung, lud er mit folgenden Worten dazu ein, die Geste zu verstehen: «Jeder von uns soll denken: “Bin ich wirklich bereit, dem anderen zu dienen und ihm zu helfen?” Denken wir nur darüber nach. Und denken wir daran, dass dieses Zeichen eine Liebkosung ist, die Jesus schenkt, denn Jesus ist genau dafür gekommen: um zu dienen und uns zu helfen».
Am 2. April 2015 betonte er während der Predigt im Gefängnis von Rebibbia, ohne dem geschriebenen Text zu folgen: «Die Liebe Jesu zu uns kennt keine Grenzen. Er wird nicht müde zu lieben. Niemanden. Er liebt uns alle so sehr, dass er sein Leben für uns hingibt».

Zwei Jahre später, am 13. April 2017, sagte Franziskus, während er die Abendmesse am Gründonnerstag unter den Gefangenen in der Justizvollzugsanstalt von Paliano (Frosinone) leitete, von Herzen: «Gott liebt uns bis zum Ende, trotz unserer Sünden. Er wusste, dass er verraten worden war und dass er von Judas ausgeliefert werden sollte, aber er liebt „bis zum Ende“ und schenkt jedem von uns sein Leben. Bis zum Ende zu lieben ist nicht einfach, denn wir alle sind Sünder, wir alle haben Grenzen und Fehler, viele Dinge. Wir alle wissen zu lieben, aber wir sind nicht wie Gott, der liebt, ohne die Folgen zu bedenken, bis zum Ende. Und er gibt das Beispiel: Um dies zu zeigen, wäscht er, der „das Oberhaupt“ war, der Gott war, seinen Jüngern die Füße». Und so «kommt es zu einer Umkehrung: Derjenige, der am größten zu sein scheint, muss die Arbeit eines Sklaven verrichten, um Liebe zu säen». Daraus ergibt sich Franziskus’ Einladung an die Gefangenen, aber auch an uns alle, einander zu helfen und «einen Dienst» am anderen zu leisten, «denn das ist Liebe, das ist wie Füße waschen. Es bedeutet, Diener der anderen zu sein».
Den Nächsten lieben und ihm dienen, wie Jesus es getan hat
In der Messe vom Letzten Abendmahl 2018 betonte Papst Franziskus, bevor er wie Christus beim letzten Abendmahl mit den zwölf Jüngern Waschschüssel und Krug nahm, dass «Jesus diesen Dienst tun wollte, um uns ein Beispiel dafür zu geben, wie wir einander dienen sollen. Jesus kommt, um uns zu dienen, und das Zeichen dafür, dass Jesus uns heute hier im Gefängnis Regina Coeli dient, ist, dass er zwölf von euch ausgewählt hat, wie die zwölf Apostel, um ihnen die Füße zu waschen. Jesus setzt für jeden von uns alles aufs Spiel, um zu mir zu kommen und mir zu sagen, dass er mich liebt. Das ist der Dienst, das ist Jesus: Er verlässt uns niemals; er wird niemals müde, uns zu vergeben».
Im folgenden Jahr, am 18. April 2019, fand die Gründonnerstagsmesse im Gefängnis von Velletri statt. Nachdem er im vertraulichen Gespräch mit den Gefangenen auf der Bedeutung der Fußwaschung als „Sklavengeste“ Jesu bestanden hatte, riet er allen: «Tut diese Geste auch untereinander. Das heißt: Dient einander, seid Brüder im Dienst, nicht im Ehrgeiz, nicht wie jemand, der über den anderen herrscht oder ihn niedertritt; nein, seid Brüder im Dienst». Und er erklärte: «Diese Geste, die ich heute vollziehen werde, soll für uns alle eine Geste sein, die uns hilft, einander noch mehr zu dienen, noch mehr Freunde und Brüder im Dienst zu sein». Auf diese Weise wird die Geste Jesu auch heute lebendig.

Einige Fragen zum Nachdenken
Zum Abschluss möchten wir einige Fragen hinterlassen, die uns helfen werden, nachzudenken und uns die Gesinnung Jesu zu eigen zu machen.
– Gehst du im Leben deiner Familie und deiner kirchlichen Gemeinschaft den Weg des Dienstes und des Teilens?
– Engagierst du dich unmittelbar im Dienst an den Armen und den Geringsten?
– Erkennst du das Antlitz Christi, der darum bittet, in den Armen zu dienen und geliebt zu werden?
Teile deine Gedanken in den Kommentaren zum Beitrag.

