Vielleicht habt auch ihr schon gehört, dass „der Rosenkranz seit jeher das Gebet der Familie und für die Familie ist“ und auch: „Eine Familie, die vereint betet, bleibt vereint“.
Dies wird von einem Heiligen bekräftigt, einem großen Heiligen, einem sehr geliebten Papst und weisen Theologen: dem heiligen Johannes Paul II. In seinem wunderschönen Schreiben über den heiligen Rosenkranz, Rosarium Virginis Mariae (RVM), erklärt er, „dass man wieder in der Familie und für die Familien beten muss“, indem man den Rosenkranz verwendet. Warum versuchen wir also in diesem Mai nicht, ihn in der Familie zu beten?
Das Gebet, bei dem die Familie zusammenkommt
Auch Papst Franziskus empfiehlt, dass man in der Familie „nicht vergessen darf, […] Räume […] des Gebets zu schaffen“, denn „eine Familie, die vereint betet, bleibt vereint“ (AL 227).
Wenn die Familie nicht betet, kann sie die Tür zur Gegenwart Gottes und zu seiner Liebe nicht öffnen; sie verliert ihre Harmonie und ihren Frieden, Individualismus setzt sich durch und die Freude erlischt. Die Familie hingegen, die das Gebet lebt, erfährt Freude und gibt sie spontan weiter; der Rosenkranz ist der bevorzugte Weg des Familiengebets: „Der heilige Rosenkranz eignet sich aufgrund einer alten Tradition besonders dazu, ein Gebet zu sein, bei dem die Familie zusammenkommt“ (RVM 41).

Wir müssen wieder in der Familie beten
Das Gebet des heiligen Rosenkranzes ist ein besonderer Moment, den man mit den eigenen Familienangehörigen teilen kann. Johannes Paul II. sagt auch: „Viele Probleme der Familien hängen damit zusammen, dass es immer schwieriger wird, miteinander zu kommunizieren. Man schafft es nicht, zusammen zu sein, und vielleicht werden die seltenen Momente des Zusammenseins von den Bildern eines Fernsehers vereinnahmt. Den Rosenkranz in der Familie wieder zu beten bedeutet, ganz andere Bilder in den Alltag einzubringen, die Bilder des Geheimnisses, das rettet: das Bild des Erlösers, das Bild seiner heiligsten Mutter. Wir müssen wieder in der Familie beten“ (RVM 41).
Der Rosenkranz stellt Christus in den Mittelpunkt der Familie und, wie Johannes Paul II. betont, „vergegenwärtigt ein wenig die Atmosphäre des Hauses von Nazareth: Jesus wird in die Mitte gestellt, man teilt mit ihm Freuden und Sorgen, legt Bedürfnisse und Pläne in seine Hände und schöpft aus ihm Hoffnung und Kraft für den Weg“ (RVM 41). Aus dem Beispiel und dem Zeugnis der Heiligen Familie kann jede Familie wertvolle Anregungen für ihre Lebensweise und ihre Lebensentscheidungen gewinnen, Kraft und Weisheit für den täglichen Weg schöpfen und lernen, die kleinen Dinge des Alltags in ihrer Tiefe zu leben, das Gewöhnliche auf außergewöhnliche Weise zu leben.
Den Rosenkranz mit und für die Kinder beten
Im Gebet der Familie und für die Familie sind wir einander anvertraut, damit jedes Mitglied von Gottes Liebe behütet wird. Deshalb ist es wichtig, «mit dem Rosenkranz für die Kinder und noch mehr mit den Kindern zu beten und sie schon in jungen Jahren an diesen täglichen Moment des „betenden Innehaltens“ der Familie zu gewöhnen; das ist gewiss nicht die Lösung jedes Problems, aber eine geistliche Hilfe, die nicht unterschätzt werden darf» (RVM 42).
Oft wenden Familien ein, dass der Rosenkranz wie ein «Gebet wirkt, das dem Geschmack der Kinder und Jugendlichen von heute wenig entspricht». Der Rosenkranz ist ein außergewöhnliches Hilfsmittel, aber wie erreicht man, dass die Kinder, sowohl die kleinen als auch die großen, jeden Tag die fünf Gesätze des Rosenkranzes beten können? Wie bringt man sie dazu, etwa zwanzig Minuten lang am Gebet teilzunehmen? Ist das wirklich möglich? «Wenn der Rosenkranz gut vermittelt wird», sagt Johannes Paul II., «bin ich sicher, dass die Jugendlichen selbst die Erwachsenen wieder einmal überraschen werden, indem sie sich dieses Gebet zu eigen machen und es mit dem für ihr Alter typischen Enthusiasmus beten» (RVM 42).

Praktische Ratschläge
In Rosarium Virginis Mariae sagt Johannes Paul II.: «Nichts hindert daran, dass das Beten des Rosenkranzes für Kinder und Jugendliche – sowohl in der Familie als auch in Gruppen – durch geeignete symbolische und praktische Elemente bereichert wird, die sein Verständnis und seine Wertschätzung fördern. Warum es nicht versuchen?».
Dann ist der Kreativität freien Lauf zu lassen, damit unsere Kinder am Gebet teilnehmen!
Wenn der Rosenkranz in der Familie etwas Neues ist, kann man eine Woche lang mit einem Gesätz beginnen. Danach kann man in einer weiteren Woche auf zwei Gesätze erhöhen, bis man fünf Gesätze erreicht. Oder man kann:
• gemeinsam das Plakat des heiligen Rosenkranzes vorbereiten, das nach und nach in weiteren Gebetszeiten gestaltet wird;
• einen kleinen Altar mit der Bibel, einer Statue oder einem heiligen Bild, Kerzen und Blumen vorbereiten;
• das Gebet durch Gesänge oder kurze gesungene Refrains fröhlicher gestalten;
• im Wechsel beten: Der Vater (oder die Mutter oder das älteste Kind) betet den ersten Teil des Vaterunsers und des Gegrüßet seist du, Maria, und alle anderen den zweiten Teil.
Es geht nicht darum, das Beten des Rosenkranzes aufzuzwingen, sondern es vorzuschlagen und die eigenen Kinder dabei zu begleiten, die Schönheit und den Reichtum dieser Gebetsform zu entdecken.
Der Rosenkranz ist ein so einfaches und zugleich so reichhaltiges Gebet, dass es wirklich verdient, von der Familie wiederentdeckt zu werden. Warum es also nicht versuchen?





